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Review

DAS OPERNMAGAZIN – REVIEW – RECITAL – ZÜRICH

Bereits hier konnte man ihre tragende Stimme, die klare Diktion und die feine Ausgestaltung der Texte erkennen. (…) Es war unverkennbar, dass die Sopranistin die Stimmungen der Lieder bis ins kleinste Detail verinnerlicht und emotional miterlebt hat. Nichts wirkte aufgesetzt oder gespielt. (…) Man verliess das Opernhaus in der Hoffnung dieser Sängerin bald wieder begegnen zu dürfen.

“Gefühlswelten” – Liederabend mit Marina Rebeka im Opernhaus Zürich

 

07.10.2020
Marco Stücklin

 

Liederabend Marina Rebeka, Sopran
Giulio Zappa, Klavier
Opernhaus Zürich / 5.10.2020

Das Opernhaus Zürich eröffnete die Reihe von Liederabenden der Saison 20/21 mit der Sopranistin Marina Rebeka und dem Pianisten Giulio Zappa. Marina Rebeka ist an den führenden Opernhäusern und Festivals ein viel gefragter Gast und feiert große Erfolge.

Für Ihren Liederabend in Zürich wählte sie als Auftakt drei Lieder von Giuseppe Verdi. „In solitaria stanza“, „Ave Maria“ und „La zingara“. Bereits hier konnte man ihre tragende Stimme, die klare Diktion und die feine Ausgestaltung der Texte erkennen. Mit viel Gefühl wurden die beiden Lieder von Francesco Tosti, „ Vorrei“ und „Visione!“ vorgetragen. Danach begeisterte die Sängerin mit ihre nuancenreichen Vortrag der Lieder von Ottorino Respighi, „Notte“, Pioggia“ und „Nebbie“ dur.  

Nach der Pause erklangen von César Cui, einem russischen Komponisten mit französischen Vorfahren, drei bei uns selten zu hörende Lieder. Dieser Komponist hat ein enormes Oeuvre an Opern, Liedern und Orchesterwerken geschaffen. Die drei daraus ausgewählten Lieder „Die Statue von Zarskoje Selo“, „Ich erinnere mich des Abends“ und „Berührt hab ich die Blume“ wurden in der Originalsprache vorgetragen. Man spürte wie wohl sich Marina Rebeka in dieser Musik fühlt und als anschließend noch von Pjotr I. Tschaikowski die drei Lieder „Sag, wovon singt die Nachtigall“, „So bald vergessen“ und „Ob der Tag schon herrscht“ gesungen wurden, erlebte man einen wahren Ausbruch echter Gefühle.  

Den Abschluss des offiziellen Programms bildeten fünf Lieder von Sergej Rachmaninow, nämlich „Margariten“, „Nächtlich im Garten“, „Traum“, „Dissonanz“ und „Frühlingsfluten“. Es war unverkennbar, dass die Sopranistin die Stimmungen der Lieder bis ins kleinste Detail verinnerlicht und emotional miterlebt hat. Nichts wirkte aufgesetzt oder gespielt.  

Doch dies alles wäre nicht möglich geworden ohne den hervorragenden Pianisten Giulio Zappa, welcher jedes Lied mit seiner einfühlsamen Begleitung veredelte. Ein großartiges Beispiel, wie sich zwei Künstler gegenseitig ergänzen und eine bravouröse Leistung erbringen können.  

Der begeisterte Applaus des sehr konzentrierten Publikums wurde mit drei Arien belohnt. Als erstes sang Marina Rebeka „Un bel di vedremo“ aus der Oper „Madama Butterfly“. Es folgte der Bolero „Mercè, dilette amiche“ aus „I Vespri Siciliani“ und als Abschluss „Ebben? Ne andrò lontana“ aus „La Wally“. In allen drei Werken konnte man nochmals die vielen Facetten dieser beeindruckenden Stimme erleben.  

Man verliess das Opernhaus in der Hoffnung dieser Sängerin bald wieder begegnen zu dürfen.

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