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Review

JUNGFREI ZEITUNG – Review – Der Troubadour als Treppenwitz

(...) Hier singt ein Weltstar!"

“Eine Sopranistin von Weltformat ist Marina Rebeka, die ähnlich wie Cecilia Bartoli auch mit raffinierten Konzeptalben auf sich aufmerksam macht. Zu Beginn klingt ihre unverwechselbare Stimme im Debüt als Leonora etwas verhalten, doch dann steigert sie sich zunehmend punkto Ausdruckskraft und Volumen in den Opernolymp, wo sie längst hingehört. Ihr sattes Timbre darf man ruhig vergleichen mit dem einer jungen Netrebko, ihre Legati und die Reduktion haben den Stardust, den es braucht für eine Weltkarriere. Für ihre von der Regie oktroyierte einsilbige Darstellung einer Verzweifelten eine zusätzliche Meisterleistung. Brava!”

von Peter Wäch

Wo ist der Troubadour? Die Bühne von Regisseurin Adele Thomas mit der Ausstattung von Annemarie Woods gleicht oft einem Wimmelbild. Wenn sich der Chor auf der bühnenbreiten Freitreppe versammelt, herrscht wildes Treiben wie auf einem Pausenplatz. Erst wenn die Solisten an der Reihe sind, kehrt einigermassen Ruhe und Ordnung ein. Dafür werden die Auftritte vom Conte di Luna von drei hibbeligen Höllenhunden begleitet, die dem Reich eines Hieronymus Bosch entstiegen sein könnten. Die Oper spielt im Spanien des 16. Jahrhunderts. Die Regie hält sich mehr oder weniger an die kriegerische Zeit, taucht aber gleichzeitig ab in eine groteske Sagen- und Märchenwelt, die mehr mit Robin Hood und seiner Maid Marian zu tun haben als mit verfeindeten Brüdern, die um die gleiche Braut buhlen.

 

Räche mich!

Giuseppe Verdis Opus nach der literarischen Vorlage von Antonio García Gutiérrez und dem Libretto von Salvadore Cammarano wurde 1853 in Rom uraufgeführt, die Story ist starker Tobak. Eine Frau wird als Hexe verbrannt, ihre Tochter, die Zigeunerin Azucena, rächt den barbarischen Tod, in der Folge kommt es zu einem wüsten Gerangel zwischen dem Conte di Luna und dem Troubadour Manrico. Erst am Schluss wird das tragische Geheimnis einer vertuschten wie verkannten Verwandtschaft gelüftet, denn die Gegner sind in Wahrheit Brüder. Die Oper endet mit einem traurigen Sieger, zwei Toten und einer Rächerin, die mit dem Scheiterhaufen das gleiche Schicksal ereilt wie ihre Mutter.

 

Freitreppe mit Grenzen

Verdi komponierte für sein lyrisches Drama kontrastreiche Klänge, die er geschickt mit der Tradition des Belcantos verwob. Der Trovatore ist auch eine starke Choroper, wo sich jedem Regieteam die leidige Platzfrage stellt: Wohin mit all den Mannen? Adele Thomas entscheidet sich für eine Freitreppe, die die gesamte Bühne einnimmt. Das Requisit eignet sich sowohl für Massenszenen als auch für Einzelauftritte, Lichtmagier Franck Evin gelingen intensive Momente. Doch wie jede Stiege ein Ende hat, kommt auch die Dramaturgie von Beate Breidenbach an ihre Grenzen. Mehr als rauf und runter und etwas seitwärts geht nun mal nicht, und es zeigt sich spätestens nach der Pause, dass starr angelegte Konzepte die Opernlänge von mehr als zwei Stunden meist nicht tragen.

 

Die Ritter der Kokosnuss

Eine dezidiert reduzierte Anschauung, die ausnahmslos eine Perspektive zulässt, ist eine Gratwanderung. Adele Thomas bedient obendrein eine humoristische Sichtweise, und sie tut das ausgerechnet für ein hochdramatisches Werk. Das Fazit: Der Klamauk erstickt das Drama! Die Helden verkommen zu fixen Figuren wie auf einem Schachbrett. Das stellenweise überbordende Kasperletheater erinnert an Monty Pythons Ritter der Kokosnuss und nicht an ein zutiefst erschütterndes Drama, bei dem ein Kindsmord die Schlüsselrolle spielt.

 

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