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Interview

Marina Rebeka: “Rossini ist mein Schicksal”

Partien bei Verdi und Massenet katapultierten sie an die Spitze des internationalen ­Opernbetriebs. Rossini aber entdeckte Marina Rebeka in Raten. Inzwischen gilt sie als eine seiner ­renommiertesten Interpretinnen. Die lettische Sopranistin über ihre Leidenschaft für Partiturmanuskripte, dramatische Koloraturen und starke Frauen.

crescendo: Frau Rebeka, wann haben Sie zum ersten Mal gespürt, dass Sie etwas haben, was andere nicht haben?

Marina Rebeka: Ich war 13 und mein Großvater hat gesagt: „Du bist groß genug – wir können Oper hören.“ Ich wusste gar nicht, was das ist. Er meinte, wir gehen da einfach mal hin, und dann wirst du schon sehen. Ich habe das erste Intervall gehört und zu meinem Opa gesagt: „Ich werde das singen!“ Natürlich war das so eine verrückte Mädchenidee. Es konnte ja gar nicht funktionieren: Ich war nicht in der Musikschule, hatte keine Ahnung von der Theorie, konnte nur Klavier spielen und war im Chor. Aber ich war so begeistert – einfach sprachlos. Ich wollte es unbedingt! Es war Liebe auf den ersten Klang!

Normalerweise bringt in diesem Alter die Pubertät Jugendliche mehr durcheinander als Opern …

Ich weiß, aber ich war einfach total geflasht! Zunächst hab ich meiner Familie gar nichts davon erzählt. Aber: Eine neue, halb private Musikschule hatte eröffnet, die auch Kinder ohne musikalische Vorbildung aufnahm. Natürlich bin ich da hin – unglaublich aufgeregt. Das erste, was sie mir sagten, war, dass ich zu jung sei. „Ja“, sagte ich, „aber Sie müssen mich anhören!“ Und tatsächlich wurde ich zur Prüfung zugelassen! Gern erinnere ich mich an die erste Solfeggio-Prüfung, als der Lehrer mir sagte, jetzt käme ein Diktat. Ich schaute ihn an und fragte, was das denn sei. Da wusste er, dass ich von Theorie überhaupt keine Ahnung habe. Es war für mich ein Mysterium, wie das gehen sollte, Musik, die ich höre, einfach aufzuschreiben. Kurz und gut: Es war einfach furchtbar. Ich bin dann jeden Samstag und Sonntag zu einer Musiklehrerin gegangen, habe Solfeggio und Harmonielehre studiert. Um aufs Konservatorium gehen zu können, habe ich die siebenjährige Musikschule in drei Jahren gemacht und bin dann mit 17 zurAufnahmeprüfung am Konservatorium angetreten. Natürlich wieder unvorstellbar nervös. Nachdem ich gesungen hatte, sagte man mir: „Nein, Sie haben kein Talent, Sie sind keine Sängerin!“ Ich bin nach Hause und hab mit meiner Mutter die ganze Nacht durchgeweint. Sollte alles umsonst gewesen sein? Ich hatte alles getan, um Opernsängerin zu werden, und plötzlich war alles kaputt!

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